
Mit dem Skalpell gegen die Migräne – OP-Bericht (1)
Montag, Juli 7, 2008Nun ist beinahe eine Woche vergangen seit meiner „Migräne-OP„, ich kann wieder ganz gut sehen und somit endlich davon berichten. Hier in etwa der chronologische Ablauf, in mehreren Teilen.
Montag, 30.6.
Staufrei in Berlin angekommen. Die Anästhesie-Vorbesprechung läuft gut. Dr. Muehlberger klärt mich noch einmal über die genauen Risiken und den Ablauf der OP auf. Einziges Problem: Ich habe Halsschmerzen, bin nicht sicher, ob ich mich nicht bei meinem mit fast 40 Grad Fieber im Bett liegenden Schatzi angesteckt habe. Sollte dies der Fall sein und ich morgen Husten, Schnupfen oder ähnliches haben, wird die OP verschoben. Mein mulmiges Gefühl, dass irgendetwas in diesen Tagen doof laufen wird (und zwar nicht unbedingt die OP an sich), hält an. Hoffentlich bin ich nicht umsonst nach Berlin gefahren. Hoffentlich hab ich es morgen hinter mir.
Dienstag, 1.7.
7-9.30 Uhr
Nach dem Aufstehen ist mir speiübel. Dabei bin ich längst nicht so nervös wie ich befürchtet hatte. Letzter Gesundheits-Check in der Anästhesie: Keine Erkältung. Dann warten, warten, warten in OP-Hemdchen und Thrombose-Strümpfen. Mein Bruder, der mich begleitet, geht und ich warte noch etwa eine dreiviertel Stunde. Mir wird flau im Magen, der dreht mal kurz am Rad. Genau in diesem Moment kommt die Schwester mit der „Scheiß-egal-Pille“, die die Patienten vor der OP zur Beruhigung bekommen. Kurze Verwirrung, ob die OP mit Magenproblemen stattfinden kann. Ich versichere, es läge am dubiosen Essen vom Vorabend und wir beschließen „Packen wir’s an“. Ich sage dem Arzt, dass ich mich beinahe auf die OP freue und konzentriere mich darauf, welche Hoffnung ich damit verbinde.
Circa 9.30-9.45 Uhr
Ich bin ganz gut drauf. Das liegt zum einen daran, dass ich schlichtweg nicht sonderlich nervös bin, zum anderen an dieser lustigen Pille. Vor dem OP legt man mir einen Zugang. Das gesamte Personal ist sehr nett. Ein paar Mal muss ich Namen und Geburtsdatum sagen, obwohl diese Daten auch auf einem Bändchen an meinem Handgelenk stehen. Ich glaub, Patienten-Verwechslung dürfte in dieser Klinik nicht vorkommen. Ich bekomme mit, wie die Patientin vor mir aus dem OP in den Aufwachraum geschoben wird und wie man mit ihr redet. Das wird man auch mit mir tun, denn drei Minuten nach den letzten Handgriffen im OP-Raum werde ich aufwachen und mit dem Arzt reden. Nur erinnern können werde ich mich später nicht mehr daran. Irgendeine chemische Substanz sorgt dafür, dass man einiges vergessen wird.
Circa 9.45 Uhr
Als ich von meiner Pritsche auf den OP-Tisch umziehe, merke ich doch diese lustige Pille. „Sie gehen wie auf Wolken“, sagt die Anästhesistin zu mir, nachdem ich einen ungeplanten Schlenker mache. Und ich amüsiere mich darüber. Während man mir sämtliche Gliedmaßen in Gel-Kissen bettet, mich gemütlich zudeckt und einlummelt, freue ich mich über diesen Luxus und witzel rum. Ich solle mir schonmal überlegen, wovon ich träumen möchte. Ok, denke ich. Australien, ist klar. An den Tauchgang nahe Lady Musgrave Island, an all die wunderschönen Korallen und Mini-Fische. Lieber nix mit Haien oder so. Schön harmlos soll es sein, denke ich und stelle mir schonmal die ersten Bilder vor.
Circa 9.50 Uhr
EKG, Blutdruckmesser und einiges andere Gekabel und Geklebe sitzt. Die Anästhesistin hält mir eine Maske vors Gesicht, aus der Sauerstoff strömt. Die erste Spritze kommt. Sie erzählt mir, dass ich mich nun schwummerig fühlen werde. Die Augen mache ich auf ihren Rat hin zu. „Das ist jetzt so ähnlich wie ein Schwips“, sagt sie und während ich noch denke „Nö, ich merk nix“, überkommt mich ein schwummeriges Gefühl, wie Schwindel, aber nicht ganz so unangenehm. Ich habe ein bisschen das Gefühl von Herzrasen. Gut, dass meine Augen zu sind, denke ich. Die würden ansonsten sicherlich grad Achterbahn fahren. Korallen, denke ich. Korallen und kleine Fischis. Sie sagt, jetzt käme bald der Schlaf. Ich merke, dass ihr Assistent an meinem Zugang fummelt und eine zweite Spritze setzt. Korallen, Fischis, Wasser. Ich tauche ab.
Fortsetzung folgt hier.


RSS - Posts
WEITER! Bitte.
Zu Befehl: [...] Best Fishes « Mit dem Skalpell gegen die Migräne – OP-Bericht (1) Mit dem Skalpell gegen die Migräne – OP-Bericht (2) Montag, Juli 7, 2008 Vermutlich [...]
[...] Teil 1 und Teil 2. Weitere Infos zur OP, zu den vorangegangenen Botox-Tests sowie Links zur Seite des [...]