Ein Jahr ohne Fernseher ist nun rum. Und meine Bilanz ist bis auf wenige Kleinigkeiten absolut positiv. Nein, ich vermisse meinen Fernseher nicht. Nein, ich habe abends keine Langeweile. Nein, ich werde mir keinen Fernseher mehr anschaffen, solange ich alleine wohne. Dennoch gibt es ein paar wenige negative Punkte, die ich nicht verschweigen will.
Zum einen ist eine Fußball-EM ohne Fernseher irgendwie komisch. Das Spiel gegen Kroatien hab ich auf meinem PC geguckt, mit einer Software, die das ferngucken einiger Sender möglich macht. Die habe ich vor wenigen Wochen runtergeladen und bisher nur wenig getestet. Ich vermisse das Fernsehen eben nicht. Allerdings hat es keinen Spaß gemacht, das Spiel auf dem PC zu gucken. Der Livestream des
Übertragungssenders funktionierte nach kurzer Zeit nicht mehr und die Software, die ich alternativ nutzte, ruckelte und huckelte pixelig vor sich hin, so dass ich das Programm mehrmals neu starten musste – natürlich immer in den spannendsten Momenten. Für so Sachen wie Fußball war diese Art der Spielverfolgung gänzlich ungeeignet. Also schaute ich das nächste Spiel in einem fremden Wohnzimmer und morgen begebe ich mich zum Rudelgucken auf den Dortmunder Friedensplatz. Es ist also bei so einem Ereignis etwas unpraktisch, keinen Fernseher zu haben, aber als ein Problem würde ich das nun wirklich nicht bezeichnen.
Der nächste negative Punkt ist der, auf den ich schon gleich zu Beginn meiner fernsehlosen Zeit hingewiesen hatte: Dokus und Nachrichten vermisse ich noch immer ein bisschen, ich muss mich noch immer zusammenreißen, die ganze fernsehfreie Zeit nicht vor dem PC zu verbringen. Zu oft schlampe ich damit, die Tagesschau, die ich als Podcast im Abo habe, wirklich abzurufen. Dokus gibt es leider nur vereinzelt als Podcast, Comicsendungen und Serien scheinen da beliebter zu sein (allerdings nicht bei mir). Ein paar habe ich aber seit einem Jahr im Abo und die rufe ich auch ab und an mal ab. Außerdem verbringe ich ja jede zweite Woche abends beim Schatzi und somit bekomme ich dort natürlich doch einiges mit. Mir ist aber aufgefallen, dass wir, seitdem ich in meiner Wohnung keinen Fernseher mehr habe, auch bei ihm gezielter fernsehen. Nicht so viel Schrott, nicht so lange, mehr Qualität. Und das freut mich. Auch dieser Punkt ist also kein echtes Problem, sondern Gewohnheitssache und einfach eine Frage der eigenen Disziplin.
Ich bin trotz dieser beiden Kritikpunkte absolut überzeugt von meiner Fernsehfreiheit. Ich amüsiere mich innerlich, wenn sich Bekannte noch größere, noch flachere, noch mehr Platz brauchende Fernseher kaufen, die sie noch mehr an dieses Gerät binden werden. Und grinse mir einen in mich hinein, wenn sich Leute über diesen und jenen Schwachsinn aus dem TV unterhalten, und ich nicht die geringste Ahnung habe, worum es geht. Ich hab’s verpasst, ich kenn das nicht, ich habe keinen Plan – na und? Bisher hatte ich noch kein einziges Mal das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Fernsehen? Braucht kein Mensch!
Foto: © Sigrid Harig / Pixelio