Früher war immer alles unglaublich spannend und aufregend. Jeder Tag konnte eine Lebenswende bedeuten, jeden Tag gab es andere weltbewegende Themen, jedes Wochenende sorgte für neuen Gesprächsstoff. Ich erinnere mich noch, dass wir Mädels Listen führten, auf denen wir festhielten, in wen wir alles aktuell verliebt waren. Da kamen schonmal zehn bis 20 Namen zusammen. Und diese Namen standen bei allen von uns auf der Liste. Die sahen aber auch alle sooo gut aus und waren sooo cool! Ich stand zwar immer eher auf die Außenseiter, aber völlig
immun war ich gegen die beliebtesten Jungs auch nicht.
Ständig überschritten wir Grenzen, fanden Neues heraus, lernten das andere Geschlecht besser kennen – und wohl auch das eigene. Wer mit wem zuletzt geknutscht hat, wer schon bereit war für den nächsten Schritt: Das waren lange Zeit die spannendsten Themen. In der Schule schrieben wir Mädels uns Zettelchen, die regelmäßig von den Jungs der Klasse abgefangen und kommentiert wurden. Immer ging es um Jungs, Geknutsche, Gerüchte, Gelästere. Während die einen sich vor Liebeskummer umbringen wollten, schnappten die anderen ihrer Freundin den Freund weg. Alles war ein riesen Drama, immer war man im Zentrum des Geschehens. Irgendwie waren wir der Mittelpunkt des Universums, das wir täglich neu schufen.
Und eben weil alles so wichtig, so spannend und so aufregend neu war, brauchten wir einen Geheimcode. Es durften schließlich nur Eingeweihte unsere Geheimnisse erfahren. Und scheinbar hab ich diesen Code in Form einer Geheimschrift erfunden. Und sie ist wieder aufgetaucht – natürlich in Form eines Briefes an eine Freundin. Ich hatte das alles schon längst wieder vergessen, aber entschlüsseln konnte ich den Brief noch, den ich vor etwa 17 Jahren geschrieben haben muss.
Wie schön, wenn einen so plötzlich die Erinnerung wieder einholt!
Danke, Yvonne.














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