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Schmerz-Gefängnis

Montag, August 20, 2007

Seit Tagen – ach, was red ich – seit Wochen schon quäle ich mich mit Kopfschmerzen und Migräne durch den Alltag. In der Küche stapelt sich dreckiges Geschirr, im Schlafzimmer getragene Wäsche, im Wohnzimmer kräuseln sich Fusseln auf dem Teppich. Vieles bleibt liegen, so wie ich. Unfähig zu allem bleibt mir an manchen Tagen nichts anderes übrig, als mich auf die Couch zurückzuziehen und abzuwarten, bis dass der sich scheinbar durch mein Gehirn fressende Schmerz endlich nachlässt. Das Haus verlasse ich mit zusammen gekniffenen Augen, weil mir das Tageslicht zu hell ist. Alltagsgeräusche, Straßenlärm und jegliches Gespräch sind so anstrengend wie Sport. Alles nehme ich intensiver wahr, so, als hätte jemand die Lautstärke aufgedreht. Fahre ich mit dem Auto weg, bleibt ungewiss, ob ich Stunden schmerz.jpgspäter damit wieder nach Hause fahren kann. Die Welt dreht sich weiter, doch ich bin gefangen im Schmerz und er lässt mich einfach nicht los. Nicht heute, nicht morgen, nicht übermorgen – und doch hoffe ich jeden Tag aufs Neue darauf. Dann erwache ich wieder aus dem Schlaf und das erste, was ich wahrnehme, sind die Schmerzen im Kopf.

Meistens geht es halbwegs, selbst in solchen Schmerzphasen. Ich weiß, was chronische Kopfschmerzen sind, weiß, dass ich mittlerweile darüber hinweg bin. Es sind nur noch Phasen. Sie gehen vorbei, dauern nur noch manchmal einige Tage. Aber sie hören wieder auf, ich weiß es. Ich weiß das zu schätzen, denn es war mal anders. Doch als bestünde die Gefahr, dass ich den Schmerz komplett vergesse, ihn aus meinem Leben verbanne, werde ich immer wieder daran erinnert. Nicht, dass ich noch die Angst vor dem Schmerz vergesse, die mich mit dem Schmerz so lange täglich begleitet hat.

Freitag kam ein weiterer Höhepunkt. Der Schmerz ließ nicht nach. Und nein, er blieb auch nicht wie er war. Er steigerte sich immerfort und ich erinnerte mich daran, dass es kein Ende zu geben scheint. Manchmal hört Schmerz nicht einfach wieder auf. Manchmal gibt es keine Grenzen. Dann steigert sich der Schmerz scheinbar endlos, beraubt mich allen logischen Verstandes und es gibt kein Ventil mehr, dass diesen Druck ausgleicht. Kein Weinen und kein Schreien, kein sich wehren und kein sich trösten lassen hilft. Dann bin ich vollkommen abhängig von anderen, die die Situation erkennen, die einen Arzt rufen oder mich ins Krankenhaus fahren, die bei mir bleiben. Während ich versuche, vor mir selbst zu flüchten wird klar, ich verliere den Kampf gegen den Schmerz, fühle mich unfähig, das weiter durchzustehen und kann doch nicht raus aus dieser Situation. Und dann kommt die Spritze mit dem Medikament, das ich nicht vertrage.

Ja, ich hatte schon geglaubt auch über diese großen Attacken hinweg zu sein. Mir wieder generell selbst helfen zu können. Nie wieder dafür einen Arzt zu brauchen, der mir eine Spritze gibt. Nie wieder so abhängig zu sein von der Hilfe anderer. Aber ich habe mich geirrt. Wieder.

Foto: aboutpixel.de – bina

19 Kommentare

  1. Schluck… das liest sich wie E.A.Poe… Mist.
    Will nicht, dass es dir so geht!!


  2. Ich will das auch nicht ;o(


  3. Ich auch nicht… :-(

    Fühl dich lieb gedrückt…

    So ein Mist, dass aber auch scheinbar nix helfen will! So richtig!

    Vielleicht helfen die paar Tage Malta was, super Idee, über den 30.igsten abzuhauen :o )


  4. Ich kenne das von meiner Mitbewohnerin. Herzliches Beileid.
    Helfen keine Tabletten?


  5. Huhu.

    Wünsche Dir sehr, dass Deine Schmerzen schnell wieder vergehen.
    Nach all den positiven Einträgen hier ist Deine Zeit jetzt eher eine schwere, also schick ich Dir Kraft zum Durchhalten. ;)

    Alles Gute!
    *knuff*


  6. @Anika
    Teilweise schon, aber im Moment nicht. Außerdem kann und will ich auch nicht jeden Tag ständig Tabletten futtern. Das wäre sozusagen kontraproduktiv.

    @Mic…
    Danke! Ist angekommen. War heute zum ersten Mal seit ein paar Wochen wieder beim Sport. :)


  7. Hm, aber was ist mit der Spritze vom Arzt? Kannst du dir sowas nicht nochmal geben lassen?
    Ich habe auch Migräne und am schlimmsten ist es, finde ich, damit aufzuwachen.
    Erschreckend ist ja auch, dass man von Medikamenten abhängig werden kann und zwar in dem Sinne, dass der Körper Schmerz produziert, um wieder Medikamente zu bekommen. Also sollte man wohl besser nicht zu viele nehmen, sonst wird das ein Teufelskreis.


  8. Ja, genau das meinte ich. Ich nehme ohnehin fast ausschließlich leichte Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol, eben aus diesem Grund. Davor wird man in Schmerztherapien ständig gewarnt.
    Meistens helfen sie auch, aber manchmal eben nicht (auch nix starkes), dann hilft nur noch die Spritze. Die hab ich auch schon einige Male bekommen. Allerdings vertrage ich eines dieser ganzen Mittel nicht, nämlich Tramadol, ein Opioid.
    Es ist gut, wenigstens zu wissen, dass der Arzt bzw die Spritze helfen kann. Ohne dieses Wissen wäre ich längst wahnsinnig geworden. Trotzdem ist diese Abhängigkeit (ich kann mir dann nichtmals mehr selber nen Arzt rufen) schlimm.


  9. Wieso? Hast du so Sprachstörungen? Das haben ja auch einige als Nebenwirkung. Bei mir sind es nur Sehstörungen, aber zm Glück nicht so schlimm, dass ich den Weg nicht mehr nach Hause finde.
    Hast du schonmal Akupunktur versucht? Bei mir hat’s nichts gebracht und auch zwei weitere Bekannte von mir haben das umsonst über sich ergehen lassen. Nur, falls du mit dem Gedanken spielst, es zu versuchen… ;-)


  10. Hab ich schon versucht, ein halbes Jahr lang ungefähr. Hat nicht geholfen. Ebenso hat Osteopathie nicht geholfen, aber eine dicke Stange Geld gekostet. Aber was tut man nicht alles aus Verzweiflung…


  11. Und schon wieder… oder immer noch? Ich behalte die aktuellen Forschungen dazu im Auge. Bin über die Uni immer noch vernetzt mit einem Nachrichtenticker, in dem die neuesten Erkenntnisse und Forschungen vermeldet werden. Hab ein besonderes Augenmerk auf alles, was mit Migräne und Schmerzen zu tun hat.
    Hab dich lieb, halt durch, es wird wieder besser!


  12. Ja, danke. Ich bin auch wieder an was Neuem dran. Weiß aber nicht, ob das was für mich ist.

    Jedenfalls sah mein Tag gestern so aus:

    - mit Migräne wach geworden
    - Antibiotikum und Schmerztablette zum Frühstück genommen
    - Frühstück direkt wieder an die Toilette abgegeben
    - paar Stunden später noch ne Schmerztablette
    - paar Stunden später selbst in die Notaufnahme gelatscht und dort zweieinhalb Stunden Infusionen bekommen
    - mich gegen eine Aufnahme ins Krankenhaus ausgesprochen, mit Kopfschmerzen nach Hause gegangen und um halb neun im Bett gewesen.


  13. [...] 24th, 2007 Mein Körper redet mit mir. Naja, das tut er öfter mal, wie ich ja schon das ein oder andere Mal erwähnt habe. Der Unterschied ist aber, dass ich dieses Mal genau verstehe, was er [...]


  14. [...] hat und bin somit sehr sicher, dass sie nicht vollständig verschwinden wird. Jedoch bin ich auch verzweifelt genug, es auszuprobieren. Wie sehr mir doch schon eine geringe Linderung helfen würde, was die [...]


  15. hallo :D
    öööm du muschelschubserin… kann es sein das du guild wars spielst oder gespielt hast? :D
    were dem so würdest du mir eine e-mail zukommen lassen?
    danggö :D


  16. Hallo,

    sorry, aber ich spiele gar nix, kein Guild Wars, kein WOW oder sonstiges Zeugs, und werde das auch nie tun.

    :)


  17. Bin ja Lehrer und entspreche nun VOLL dem Klischee:
    Bzgl. des Beitrages von Dario –

    Hallo (wird groß geschrieben, weil Anrede und ist höflich),
    Öhm (ist der Satzanfang, oder?, also groß geschrieben), du Muschelschubserin (Eigenname, wird groß geschrieben)… kann es sein, dass (das ist so ein dass, das früher mit scharfem “s” also so: ß geschrieben wurde und es hat eine bestimmte grammatikalische Funktion, weshalb es so geschreiben wird, wie es geschrieben wird). Rest des Satzes ok, man könnte drüber streiten, ob Namen von PC-Spielen aus Höflichkeit den Amerikanern (woher es vermutlich stammt) gegenüber klein geschrieben werden oder eingedeutscht werden.
    Wäre (ist Konjunktiv, were ist eine englische Vergangenheitsform) dem so, (KOMMA)…usw.
    Danke

    Manchmal gehts mit mir durch, oder? Ich kann mir nicht helfen, ich werde bei solchen Mails aggressiv, weil ich mir denke, dass der Gegenüber sich überhaupt keine Mühe gibt, geschweige denn höflich ist. Soviel Zeit muss sein, finde ich.


  18. LACH. Und schon einen Fehler gefunden: geschrieben heisst es natürlich.


  19. [...] Ich muss gestehen, dass ich eine ziemliche Angst habe, und zwar vor der Vollnarkose. Die hab ich zwar schon öfter bekommen, aber das macht es auch nicht angenehmer. Ich steh eigentlich nicht so drauf, wenn ich keine Kontrolle mehr habe. Aber ich habe auf der anderen Seite auch keine Zweifel mehr, dass es den Versuch wert ist und hoffe sehr, dass all die Hoffnung dieses Mal nicht umsonst war. Vielleicht ist das ja wirklich der Ausbruch aus dem Schmerz-Gefängnis. [...]



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