
Das Maß aller Dinge
Sonntag, November 12, 2006Ich finde es enttäuschend, mit welchem Maß wir die Dinge gerne messen. Nämlich mit unserem eigenen. Nicht willens, mal über den eigenen Tellerrand zu blicken, nicht willens oder emotional nicht in der Lage, sich in den anderen hineinzuversetzen. Was ich kann, müssen alle anderen auch können. Was ich fühle, müssen alle anderen auch fühlen. Wie ich in dieser Situation reagieren würde, würde auch jeder andere in dieser Situation reagieren. Es kann ja auch nicht sein, dass jemand anderes anders empfindet. Und wenn doch, dann liegt er falsch.
Dann kommen verkorkste „Ratschläge“, die gar keine Ratschläge sind, sondern nur zeigen, wie weit derjenige eigentlich von einem entfernt ist. Wie sehr er einen nicht versteht. „Du bist halt sensibel, hast ne dünne Haut.“ Was soll einem so ein Satz bringen? Was soll das bewirken, außer, dass man sich noch schlechter fühlt, weil einem quasi gesagt wird, dass der Rest der Menschheit das ohne Probleme meistern würde? Und wie soll mir das helfen, wenn ich das weiß? Ändert das irgendwas für mich zum Positiven? Nein, im Gegenteil. Aber danke für diese Worte.
Und warum wird Sensibilität überhaupt als Zeichen der Schwäche angesehen? Ist es nicht auch ein Segen, sensibel zu sein? Eröffnet es nicht ganz neue Welten? Und schätzen all die Unsensiblen nicht diese Fähigkeit bei anderen, um dadurch eigene Vorteile zu bekommen? Warum also soll Sensibilität ein Nachteil sein?


Sensibilität ist eine Eigenschaft, die Ihren Wert immer mehr verliert und dadurch umso wichtiger wird. Mit der heutigen Ellenbogen-Mentalität wird sie immer mehr in Grund und Boden gestampft, in vielen Bereichen fehlt dadurch ein Gleichgewicht, dass uns als Menschen auszeichnet, vor allem im Berufsleben. Ich möchte keine funktionierende Maschine sein, die darauf programmiert ist, bestimmte Ziele zu erreichen, egal wie.
Sensibilität ist kein Nachteil, sondern eine Bereicherung im Umgamg miteinander…
Manchmal denke ich, dass gerade die schwach sind, denen die gewisse Sensibilität abgeht.
Gruß
Olli
Schön gesagt.
Aber wer sagt denn, daß Sensibilität ein Nachteil ist? Im Gegenteil, ich glaube man hat inzwischen erkannt, daß eine gewisse Sensibilität wichtig ist gerade im Umgang mit anderen Menschen, nur nennt man das jetzt “Empathie”.
Die Menschen die zu sehr sensibel sind haben oftmals ein Problem damit, das merken sie dann aber, glaube ich, selber.
Zu deinem Ratgeber möchte ich noch sagen: vielleicht keine gute wortwahl aber ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer es ist, wenn man helfen möchte und das nur verbal tun kann.
LG
Ich bekomme derartige Sprüche wegen Sensibilität immer wieder von unterschiedlichen Seiten um die Ohren gehauen, meistens im Sinne von Sensibilität als Zeichen von Schwäche.
Viele Menschen haben einfach keine Lust, sich einzufühlen, denn das ist anstrengend, kostet Zeit und Mühe und hat außerdem Verantwortung zur Folge. Es ist bequemer, andere als zu sensibel abzustempeln, das Problem damit für sich als erledigt zu betrachten und sich nicht großartig kümmern zu müssen.
Andererseits bedienen sich viele gerne dieser Sensibilität, wenn sie mal nen Rat oder jemanden brauchen, der wirklich zuhört.
In diesem Fall war es allerdings gut gemeint, was ich auch weiß. Deshalb habe ich es auch nicht übel genommen. Nur nachdenklich hat es mich mal wieder gemacht.