
Ich bewundere…
Donnerstag, Oktober 5, 2006… Menschen, die wirklich konsequent sind. Ich gebe mir ja schon die größte Mühe, aber so ganz haut das noch nicht hin. Wohin ich auch blickte, ich sehe Inkonsequenz. Wie gesagt, ich schließe mich da selber mit ein. Umweltschutz ja, Tierschutz ja, aber dafür auf bestimmte Dinge verzichten? Weniger oder kein Auto fahren? Diesel oder Benzin? Keine Plastiktüten benutzen? Keinen Tunfisch essen? Keine Seezunge, keinen Kabeljau? Vielleicht überhaupt kein Fleisch? Die Menschen schätzen, fair und offen sein, Toleranz und Mitgefühl zeigen ja, aber was ist mit dem, der mich am meisten aufregt, nervt, zur Weißglut bringt? (Mal ganz nebenbei, was ist Weißglut überhaupt für ein Wort?!) Und warum fällt es mir so schwer, einem Nahestehenden die Meinung zu sagen, wenn ich weiß, dass sie ihm nicht gefällt? Wenn ich anderen das Tauchen beibringe, ist das gut oder schlecht für das Meer?
Ich zweifle ständig daran, das richtige zu tun. Ist es verwerflich oder nützlich, dass ich Geckos halte? Oder bei Regen das Auto zu benutzen? Und bei Sonne? Hab ich das richtige Essen gekauft oder unterstütze ich damit irgendein Prinzip, das mir eigentlich zuwider ist? Manchmal blicke ich wirklich nicht mehr durch vor lauter Komplexität.
Dabei ist es so wichtig, konsequent zu sein.
Aber ist es überhaupt jemals möglich, wirklich konsequent zu sein? Stelle ich zu viele Fragen? Oder ist auch hier der Weg das Ziel?
Naja, ich geh mal weiter (manchmal weiß ich ja sogar, wohin) …
Ergänzung, Donnerstag Nachmittag, halb zwei: Ich hab grad ein meiner Meinung nach wunderbares Video gefunden, das zum Thema Konsequenz passt. Hier hat Noah Kalina sich selbst ganze sechs Jahre lang jeden Tag fotografiert und ein Video draus gemacht! Man sieht sogar, wie er am Ende zunimmt und ich meine sogar, dass er am Ende weniger Haare hat. Respekt!!!


.hmm…also ganz grundsätzlich bewundere ich auch Menschen, die konsequent sind. Aber auch bei denen ist es mit Sicherheit eine Sache des Maßstabes und genau das denke ich auch für mich. Wenn ich diesen, aus meiner Sicht konsequenten Personen genau diese Konsequenz attestieren würde, bekäme ich mit Sicherheit als Antwort:”Ja, aber eigentlich könnte ich noch viel mehr machen…..”. Daher glaube ich nicht an die letztendliche Konsequenz, sondern, wie Du schon schreibst, an den Weg als Ziel. (Wachsende) Aufmerksamkeit auf Probleme (Auto, Umwelt etc.) ist gut, die eigene Lebensweise an diesen Problemen bis zu einem gewissen Grad auszurichten, mit Sicherheit auch. Und dann auch die darin enthaltene Konsequenz zu sehen und nicht immer nur die Möglichkeiten der weiteren Verbesserung (oder bisherigen Inkonsequenz..). Ist doch das alte “Glas halb leer oder halb voll”-Spiel.
Ich habe mich damit abgefunden, meine Konsequenz zu leben, hin und wieder auch diese zu unterlaufen, aber auch weiter nach Möglichkeiten zu suchen, hier und da noch konsequenter zu sein…
Gruß,
spinpoint
P.S.: Wenn Du Leuten das Tauchen beibringst ist das mit Sicherheit gut für das Meer, denn die Leute können dann tauchen und sie bekommen die richtige Einstellung gegenüber dem Tauchen und dem Meer vermittelt…
Ja, schön gesagt hast du das. Es stimmt, Konsequenz ist ein wichtiges Ziel. Aber sie ist eben nur dann gut und förderlich, solange sie einen nicht bremst. Man kann nunmal nicht alles durchschauen, nicht alle Folgen abschätzen, nicht immer konsequent handeln. Der Weg ist das Ziel, so ist es auch hier. Und so schlecht ist das ja auch gar nicht. Solange man das Ziel nicht aus den Augen verliert.
Hab gerade ein Zitat von Erich Kästner gefunden:
“Entweder man ist konsequent, oder man lebt.”
So krass würde ich das zwar nicht sehen wollen, aber ein Funken Wahrheit steckt drin.
Siehe auch die Ergänzung, die ich gerade noch unter den Post gesetzt habe.
Hi,
sicher ist es gut, in bestimmten Dingen konsequent zu sein und stimme voellig zu, dass der Weg das Ziel ist.
Naomi Klein hat mal Globalisierungsgegner gefragt, wie es denn sein kann, dass sie Nike Schuhe tragen und bei McDonalds essen.
Deren Antwort war recht plausibel.
Mann kann nicht an allen Fronten gleichzeitig arbeiten und sie hatten sich zu dem Zeitpunkt das Ziel gesetzt, die Arbeitsbedingunen in bestimmten Betrieben zu verbessern und verfolgten dieses konsequent. Nike und Mac sind dann die naechsten Dinge auf der Liste.
Man kann schnell hilflos all den Problemen gegenueber stehen, wenn man sie sich bewusst macht und dann schaut, wie man selbst zu ihnen beitraegt. (z.b. Umweltverschmutzung) Du machst es schon richtig mit der Einstellung, bestimmtes Handeln von dir selbst zu hinterfragen…z.b. nehm ich nun das Auto oder doch den Bus oder das Fahrrad? Das ist immerhin schon ein Anfang, der bei etlichen gar nicht im Kopf verankert ist.
Setz dich nicht unnoetig unter Druck, langsam ernaehrt sich das Eichhoernchen und es ist schon viel damit getan, wenn du deine Einstellung, deine Einschaetzung an andere weiter gibts…
Gruss Homer
p.s. falls du Gruende brauchst, um unser handeln re Umwelt zu veraendern, schau dir “An inconvenient truth” an
Huhu Homer,
ja, den Film möchte ich gerne noch sehen. Und ich stimme dir zu bei dem restlichen Gesagten.
Ich habe im Pitchfork-Forum einen Thread zum Thema (In)Konsequenz eröffnet. Bei Interesse kann man dort weiterlesen: http://www.pitchfork.de/forum/showthread.php?s=&threadid=5415 .
“EVERY LITTLE thing causes huge effects!”
Mehr sag’ ich da nicht da zu, Hase!
Ja, hab ich ja im Forum auch zitiert, diese Passage. Wahre Worte.
Wenigstens hassu aufgepasst!